DER FEINSCHMECKER Februar 2010

DER FEINSCHMECKER Februar 2010

Auf ihr Fleischerhandwerk könnten sich die Deutschen was einbilden und scharenweise die Besten der Zunft nach Kräften unterstützen. Wäre da nicht die Flut der Supersonderangebote bei den Discountern, die mit Kampfpreisen um Kunden buhlen. Auf der Schnäppchenjagd vergessen dann viele Käufer, sich mal zu fragen, woher denn das ganze Billigzeug kommt – und unter welchen dubiosen Bedingungen es entstanden ist. Derweil vollzieht sich ein schleichender Rückgang handwerklich arbeitender Familien-Metzgereien: Waren es 1998 deutschlandweit noch etwas über 21 000, so sind es heute gut 5000 weniger.

HIGH-END-QUALITÄT, BITTE – AUCH BEI DEN METZGERN

Oft findet der Chef keinen Nachfolger, oder die EU-Bestimmungen werden derart restriktiv, dass die Verarbeitung von schlachtwarmem Fleisch (eine Voraussetzung für Qualität) vielen Metzgern nur noch möglich ist, wenn sie unter erdrückenden Schulden ihren Betrieb umbauen und aufrüsten. Nicht nur in dieser Branche gehen auf diese Weise peu a peu regionale Rezepte und über Generationen heiß geliebte Spezialitäten verloren. Auf Seite 86 berichten wir von „Fräulein Popellas Gespür für Wurst“: Christin Popella ist eine junge Metzgermeisterin aus Sachsen – anzutreffen in einer der 400 Fleischereien, die wir Ihnen in unserer aktuellen Broschüre empfehlen.

Es ist seit 1995 nun schon das fünfte Mal, dass
DER FEINSCHMECKER eine solche Bestandsaufnahme macht. Nach wochenlangen Verkostungen und Testeinkäufen bleibt festzuhalten: immer mehr Fleisch von deklarierter Herkunft, immer mehr Bio, immer weniger Glutamat und andere Zusatzstoffe. Metzger müssen heute ein Gespür dafür haben, wie man das Vertrauen verunsicherter Käufer gewinnt; sie müssen über den Wert von Lebensmitteln viel mehr wissen als noch ihre Großväter. Und sie sind nicht selten selber ausgefuchste Feinschmecker.

Fleischerei Erkes | LANDESSIEGER NRW
OT Glehn, Hauptstr. 68, PLZ 41352,
Tel. 02182-43 47, www.fleischerei-erkes.de,
Mo 9 – 12.30 Uhr, Di – Fr 8-12.30 und 14.30 – 18,30 Uhr. Sa 8 – 13 Uhr

„Hergestellt nach dem Rheinlandgebot: frisch und lecker,“ Udo Erkes mag seine Region und ihre Spezialitäten, Daher bietet er auch Wurst mit Altbier: Salami, Grillwurst und Wurst im Glas. Die Korschenbroicher Privatbrauerei „Bolten“ macht das Bier, Udo Erkes die Wurst.

Dieser Metzgerei lieferte auch die beste Jagdwurst Nordrhein-Westfalens zur FEINSCHMECKER-Verkostung. Basis sind die Weideschweine der Rasse Schwäbisch-Hällisches Landschwein, die ein Bauer im Nachbarort für die Metzgerei aufzieht und mästet. Hier wird selbst geschlachtet, viel Wert auf Biofleisch und auf hauseigene Würzrezepturen gelegt. Spezialitäten: Altbierwurst als Salami in Flaschen, als Heidefrühstück im Glas und als Grillwurst, regionale Spezialitäten